Unternehmenskultur  

1.1 
Bedeutung
1.2 
Definition
1.3 Gesell-
schaftskultur
1.4 Aus-
drucksformen
1.5 Funktionen

1.4 Wie kommt eine Unternehmenskultur zum Ausdruck?

Kultur ist zum großen Teil unsichtbar. Das gilt auch für die Unternehmenskultur.

Dennoch können wir die spezifische Kultur eines Unternehmens an den Artefakten und Verhaltensweisen erkennen. Sie kommt zum Ausdruck durch:

Verhalten, Ereignisse, Äußerlichkeiten

Wie sind die Umgangsformen im Unternehmen? Wie werden Entscheidungen getroffen? Herrscht eine Atmosphäre der Offenheit oder der Geheimniskrämerei? Welche Verhaltensweisen werden gefördert, welche unterdrückt? Ist der Umgang miteinander freundlich-kollegial oder distanziert-formell? Gibt es soziale Ereignisse im Unternehmen, bei denen Führungskräfte und Mitarbeiter zusammenkommen? Wie laufen diese Veranstaltungen ab? Welchen Charakter und Erlebniswert haben sie? Welche Kleidungsnormen herrschen? Aber auch: Wie sind die Räumlichkeiten, die Büros und Arbeitsplätze gestaltet (z.B. Einzel- oder Großraumbüros, Farbe, Pflanzen, etc)?

Kommunikation und Organisation

Was wird in Ihrem Unternehmen schriftlich, was wird mündlich kommuniziert? Besteht der Hang, alles schriftlich zu fixieren? Ist der Schreib- und Sprachstil sehr formell oder eher persönlich? Gibt es Themen, die offiziell tabu sind und über die nur informell geredet wird? Ist der Informationsfluss flüssig oder langsam und bürokratisch? Was und wie wird nach außen kommuniziert, insbesondere mit Kunden und Lieferanten? Ist Ihre Organisation durch viele, scharf voneinander getrennte Hierarchieebenen und durch starke Abteilungsegoismen gekennzeichnet? Welche Formen der Regelungen werden bevorzugt? 


In welcher Weise bringen Mitarbeiter ihre Normen und Werte im Unternehmen zum Ausdruck? 

Zwei Beispiele für Unternehmenskulturen

Erfolgs-GmbH Problem-GmbH
Ich fühle mich meinem Unternehmen verbunden. Das Unternehmen ist für mich nur Mittel zum Zweck, nämlich fürs Geldverdienen.
Nicht alle Aufgaben mache ich gerne, ich mache sie aber trotzdem so gut ich kann. Unangenehme Aufgaben können doch andere machen.
Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für mich wichtig. Ich verlasse pünktlich meinen Arbeitsplatz und zuverlässig bin ich, wenn es unbedingt sein muss.
Ich bemühe mich, gute Arbeit zu machen, und ich sehe, dass dies meine Kollegen auch machen. Ich mache meine Arbeit, so wie es von mir erwartet wird. Mehr nicht.
Wir als Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Sie wollen gute Qualität zu einem guten Preis. Darum bemühen wir uns. Wichtig ist, dass die Kunden bezahlen. Denn davon leben wir.
Auch in schwierigen Zeiten müssen wir in unserem Betrieb zusammenstehen. Nur durch gemeinsame Anstrengung kommen wir da wieder raus. Wenn es schwierig wird, sollen sich die da oben drum kümmern. Ich schaue, wie ich meine Schäfchen ins Trockene bringe, notfalls auch bei einem anderen Unternehmen.
Präzision und Qualität, dafür steht unsere Firma, und da bin ich stolz drauf. Für die gute Qualität der Produkte bin ich nicht verantwortlich.
Als Führungskraft informiere ich meine Mitarbeiter über alles Wichtige und beteilige sie an Entscheidungen. Als Führungskraft ist es meine Aufgabe, Entscheidungen zu treffen. Meine Mitarbeiter haben mir da nicht reinzureden.

So klar wie in diesen beiden Beispielen werden sich die Aussagen von Mitarbeitern in der Praxis sicher nicht unterscheiden. Sie bekommen in Ihrem Unternehmen vermutlich beides zu hören. Wenn Sie jedoch mehr Aussagen von der Art wie in der Problem-GmbH hören sollten, ist das bedenklich. Die Herausforderungen der Zukunft werden mit einer solchen Wertorientierung schwer zu bewältigen sein.