Interkulturelles Management - Glossar


Affekt, affektiv: Häufig synonym mit Emotion und Gefühl gebraucht. Von intensiven Empfindungen begleitete Verarbeitung von Erlebnissen. Von einem Affekt spricht man insbesondere, wenn sich Wahrnehmungen, Gefühle, Vorstellungen und Verhaltenstendenzen vermischen und sich eine plötzliche durch starke Erregung gekennzeichnete Veränderung des Gesamtbefindens einstellt. Im interkulturellen Kontakt störende und die Kommunikation bedrohende Affekte sind z. B. Enttäuschung, Angst, Ärger oder Ekel. Das Eigenschaftswort affektiv bezeichnet demgegenüber einfach nur den gefühlsmäßigen Anteil im menschlichen Erleben, Urteilen und Handeln.

Akkomodation: "mit A. bezeichnen wir Lern- und Anpassungsprozesse bei Personen, die sich infolge eines Lebensortwechsels grundlegende Mittel und Regeln der Kommunikation und Tätigkeit der fremden Gesellschaft, Kenntnisse ihrer Institutionen und Glaubenssysteme aneignen müssen, um in dieser Gesellschaft interaktions- und arbeitsfähig zu werden. Prozesse der A. können ablaufen, ohne dass die Person ihre grundlegenden Überzeugungen, Werte, Vorlieben oder Denkweisen ändert, da A. als verkehrs- und verhaltensfunktionale Anpassung zunächst nur kommunikationstechnischer Natur ist."

Akkulturation: Die Übernahme von Elementen einer fremden Kultur nach dem Prozeß der Enkulturation, z. B, in der Folge eines längeren Aufenthaltes in fremdkultureller Umgebung. A. geht über Akkomodation hinaus und setzt diese voraus.

Alltagskultur: Kulturelle Sinnschicht der alltäglichen Lebenswelt, also derjenigen Wirklichkeit, "die der wache, normale Erwachsene in der natürlichen Einstellung als schlicht gegeben vorfindet."

Ambiguitätstoleranz: produktive Grundhaltung in der interkulturellen Kommunikation: die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich schnell und mit geringem Unbehagen auf mehrdeutige, ambivalente oder gar widersprüchliche Situationen einzustellen; A. trägt dazu bei, interkulturelle Irritationen und Dissonanzen in produktiver, d.h. verständnisvorbereitender Weise auszuhalten; das affektive und kognitive Äquivalent der Rollenflexibilität.

Anpassung, kulturelle: pragmatische Reaktion der Orientierung eines Individuums an den Erwartungen einer fremden Umwelt und Kultur. Im Kontext einer interkulturellen Pädagogik ist damit eine Verhaltensweise bezeichnet, die einem möglichen Konflikt in einer interkulturellen Überschneidungssituation durch Übernahme fremder Kulturmuster zuvorkommt. Zweifelhaft ist, ob sich im Prozeß der A. interkulturelles Lernen vollzieht oder ob letztlich nur äußerlich die fremden kulturellen Regeln befolgt werden, ohne die Persönlichkeit des Angepaßten tiefer zu berühren.

Anthropologie: Die Wissenschaft vom Menschen in seiner physischen, sozialen und kulturellen Verschiedenheit. in diesem Buch wird der Begriff immer in der Bedeutung der sozialen oder kulturellen Anthropologie gebraucht, und darunter versteht man die umfassende Forschung über menschliche Gesellschaftsformen, insbesondere - aber nicht ausschließlich - die traditionellen oder schriftlosen Gesellschaften.

Assimilation: Sowohl der Prozess der kulturellen Angleichung zwischen zwei Gruppen (auch: Assimilierung) als auch das Ergebnis dieses Prozesses; auf Zuwanderer bezogen bedeutet die Forderung nach A., die eigene Kultur aufzugeben und sich der Kultur der aufnehmenden Gesellschaft "vollständig" anzupassen.

Culture Assimilator: Ein Lernprogramm von Hofstede zur Selbstschulung interkultureller Kommunikationsfertigkeiten.

Darbietungsregeln (display rules): "Ein moderner Ausdruck für die alte Erkenntnis, dass soziokulturelle Normen den in spezifischen Situationen akzeptablen emotionalen Ausdruck bestimmen."

Deutungsmuster: "die mehr oder weniger zeitstabilen und in gewisser Weise stereotypen Sichtweisen und Interpretationen von Mitgliedern einer sozialen Gruppe ( ... ), die diese zu ihren alltäglichen Handlungs- und Interaktionsbereichen lebensgeschichtlich entwickelt haben. Im einzelnen bilden diese Deutungsmuster ein Orientierungs- und Rechtfertigungspotential von Alltagswissensbeständen in der Form grundlegender, eher latenter Situations-, Beziehungs- und Selbstdefinitionen ..."

Dimensionen-Modell: Eine Anzahl von Dimensionen, die miteinander kombiniert werden, um ein Phänomen zu beschreiben. (z.B. bei Hofstede)

Diskriminierung: ist Ungleichbehandlung von im Grunde Gleichgestellten. D. bezeichnet sowohl den Vorgang als auch sein Ergebnis. D. kann sich als Kontaktmeidung, Benachteiligung im Zugang zu Gütern oder Positionen, als Boykottierung oder auch als persönliche Herabsetzung darstellen. Die schematische kausale Verknüpfung von diskriminierendem Verhalten mit "Vorurteilen", wie sie in der Nachkriegsdiskussion üblich war, wird in der neueren sozialpsychologischen Diskussion als weder empirisch noch theoretisch überzeugend abgelehnt und wesentlich differenzierter diskutiert.

Dritt-Kultur-Perspektive: Jene besondere Haltung innerhalb des interkulturellen Lernens, in der die Beteiligten gegenüber der Differenz von eigener und fremder Kultur gleichsam einen "dritten" Standort einzunehmen versuchen, um von diesem die Differenz besser mit Distanz in den Blick nehmen zu können.

Eigengruppe ("ingroup"): "Gruppe, der eine Person angehört oder anzugehören glaubt."

Einstellung: "Eine psychologische Tendenz, die durch eine überdauernde positive oder negative Bewertung eines Einstellungsobjekts

Empathie: nennt man den Versuch (und wenn es gelingt: die Fähigkeit), durch Übernahme der Perspektive eines Anderen und durch Verständnis seiner Gefühle, sich in dessen Gefühlszustand zu versetzen.

Enkulturation: Die Übernahme einer bestimmten Kultur im Rahmen der Primärsozialisation. "Enkulturation hat also die allgemeine Bedeutung von Lernen der Kultur, Lernen von Kulturmustern, Lernen des Werte- und Normensystems einer Kultur, Lernen kulturspezifischer Technologien, der Sprache, der Fertigkeiten, des kulturspezifischen Denkens, der kulturspezifischen Gefühlswelt usw., bezieht sich also auf die typischen Veränderungen und Aufbauprozesse der Persönlichkeit von Heranwachsenden, sofern sie durch kulturspezifische Einflüsse mitbestimmt sind und kulturelle Inhalte implizieren."

Ethnie: Mit "Ethnie" oder "ethnischer Gruppe" werden familienübergreifende Gruppen bezeichnet, die sich selbst eine kollektive Identität zusprechen. Neben wirklichen und vermeintlichen Gemeinsamkeiten wie Sprache, Geschichte und Kultur sind Vorstellungen einer gemeinsamen Herkunft, einer "Abstammungsgemeinschaft" von Bedeutung, "ganz einerlei, ob eine Abstammungsgemeinschaft vorliegt oder nicht".

Ethnozentrismus: Das Übertragen von Normen, die in der eigenenGesellschaft gelten, auf Menschen außerhalb dieser Gesellschaft.

Ethnozentrismus: Der Begriff geht auf W G. Sumner zurück, der zunächst allgemein einen auf die Eigengruppe bezogenem Egozentrismus im Blick hatte: "Ethnocentrism is the technical name for this view of things in which one's own group is the center of everything, and all others are scaled and rated with reference to it." (Sumner, WG: Folkways. New York 1959: 13). Das Referenzsystem Eigengruppe bestimmt nach Sumner das Verhältnis zu Fremdgruppen grundlegend: es führt zur Überhöhung der eigenen Kultur (jeads a people to exaggerate and intensify everything in their own folkways which is peculiar"; ebenda) und schließlich auch zur Herabsetzung der fremden Gruppe. In der aktuellen Diskussion hat sich dieses engere Verständnis von Ethnozentrismus durchgesetzt. Danach sind Ethnozentrismen "Vorurteile einer Wir-Gi-uppe", die sich ethnisch definiert; ihre Funktion ist, "durch gezielte Auswahl und Hervorhebung bestimmter sowie Leugnung und Mißachtung anderer Informationen die Überlegenheit der eigenen ethnischen Gruppe glaubwürdig erscheinen zu lassen." Kulturzentrismus

culture capsules: Sind kleine kulturelle "Stücke", die von den Mitgliedern einer Kultur gemeinsam "inszeniert" werden und die sich meist um bestimmte Themen (die Güte des Wassers in Griechenland), besondere Anlässe (eine Kindstaufe) oder Gegenstände (das Sonntagskleid) drehen. Solche "eapsules" kann man auch einem Kulturfremden beschreiben; besser aber ist es, sie als "Ereignis" stattfinden zu lassen, um sie real erfahrbar zu machen. Beispiele sind: eine Hochzeitstafel in Tunesien der Ablauf eines Kondolenzbesuchs in Japan - eine Einladung zum Tee in der Türkei

culture clusters: bestehen aus mehreren zusammengehörigen culture eapsules. Solche "Systeme" von Culture eapsules finden sich etwa in bestimmten kulturell geprägten Essens-Zeremonien, so zum Beispiel bei einer Einladung zum Essen bei einer marokkanischen Familie: eapsule 1: die Tischordnung und ihre Bedeutung; eapsule 2: wie wird gegessen, die Reihenfolge der Gerichte; eapsule 3: die Behandlung des Gastes beim Essen usw.)

Femininität: Das Gegenteil von Maskulinität; zusammen bilden beide Begriffe eine der Dimensionen nationaler Kulturen. Fernimmtät repräsentiert eine Gesellschaft, in der sich die gesellschaftlichen Geschlechterrollen überschneiden: sowohl Männer wie Frauen gelten als bescheiden, sensibel und um Lebensqualität bemüht.

Fremdgruppe ("outgroup"): "Gruppe, zu der eine Person nicht gehört oder nicht zugehören glaubt."

Fundamentalismus: Die Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt, und dass die eigene gesellschaftliche Gruppe im Besitz dieser Wahrheit ist, die dann meistens bis ins kleinste Detail definiert wird.

Gesicht: In einer kollektivistischen Gesellschaft versteht man darunter eine Eigenschaft, die jemandem zuerkannt wird, der die wesentlichen Erfordernisse erfüllt, die mit seiner gesellschaftlichen Stellungverbunden sind.

Gestalt: Ein integriertes Ganzes, das als solches erforscht werden sollte und seine Bedeutung verliert, wenn es unterteilt wird.

Helden: Personen, lebende oder tote, tatsächliche oder imaginäre, denen Charaktereigenschaften zugeschrieben werden, die in einer Kultur sehr hoch angesehen sind und die somit als Vorbilder für Verhalten gelten.

Index der Langfristigen Orientierung (LTO): Ein Maß für den Grad an Langfristiger Orientierung in der Kultur eines Landes; er basiert auf dem Forschungsprojekt der Chinesischen Wertestudie, das bei Stichproben von Studenten durchgeführt wurde. (bei Hofstede)

Individualismus: Das Gegenteil von Kollektivismus; zusammen bilden sie eine Dimension nationaler Kulturen. Individualismus repräsentiert eine Gesellschaftsform, in der die sozialen Bindungen zwischen Individuen nicht sehr fest sind. Von jedem wird erwartet, dass er sich nur um sich selbst oder seine eigene, unmittelbare Familie kümmert.

Individualismusindex (IDV): Ein Maß für den Grad an Individualismus in der Kultur eines Landes auf der Grundlage des IBM-Forschungsprojektes. (bei Hofstede)

Integration: meint allgemein (und inzwischen auch umgangssprachlich) die Herstellung einer Einheit durch Einbeziehung außenstehender Elemente (Eingliederung), die Herstellung eines funktionsfähigen Ganzen. Im Bezug auf Zuwanderer bezeichnet "Integration" also ihre Eingliederung aus Sicht der aufnehmenden Gesellschaft. Man sollte unterscheiden zwischen politischer, ökonomischer, sozialer und kultureller I. Kennzeichen der deutschen Integrationspolitik ist, dass politische I. nicht gewährt wird ("kein Einwanderungsland"), ökonomische und soziale I. angestrebt werden und kulturelle I. erwünscht, aber je nach Aufenthaltsdauer ins Belieben der Zuwanderer gestellt ist.

Interaktion: "Prozesse wechselseitiger zwischenmenschlicher Beeinflussung. Umfaßt meist einen komplexen Handlungs- bzw. Verhaltenszusammenhang, in den sprachliches Handeln eingebettet ist."

Interaktionsrituale: sind kulturspezifische Ablaufskripts, die nicht nur das "dass" einer Interaktion, sondern immer auch deren "wie" im Detail genau regeln. So ist etwa eine Begrüßung dann nicht nur eine einfache Interaktion, die nach konventionellen Regeln verläuft, wenn noch die Art und Weise, wie sie vollzogen werden soll (etwa bis zu einzelnen nonverbalen Äußerungen) streng normiert ist.

interkulturell: Der Begriff bezeichnet Austauschprozesse zwischen Kulturen, genauer gesagt: zwischen Personen oder Gruppen mit unterschiedlichem Kulturhintergrund.

interkulturelle Interferenz: bezeichnet die Prozesse der voreiligen und fälschlichen Übertragung eigener Kulturmuster auf die jeweils fremde Kultur. Aufgrund eines 'Ähnlichkeitsfehlschlusses' wird die fremde Kultur nach den Regeln der eigenen Kultur interpretiert.

interkulturelle Irritation: eine Unstimmigkeit in der Kommunikation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen, bei der die Ursache zunächst noch unklar ist. Die Irritation zeigt sich häufig in der verbalen (z. B. durch eine fehlende "Passung" im Antwortverhalten), der paraverbalen (z. B. durch Brüche im Gesprächsfluß) oder der nonverbalen (z. B. durch Anstarren) Dimension.

interkulturelle Kompetenz: ist eine um die kulturelle Komponente erweiterte Form von sozialer Kompetenz. i.K. ist Kommunikations- und Handlungsfähigkeit in kulturellen Überschneidungssituationen, also die Fähigkeit, mit Angehörigen einer anderen Kultur zur wechselseitigen Zufriedenheit unabhängig, kultursensibel und wirkungsvoll interagieren zu können.

interkulturelle Missverständnisse: "entstehen, wenn die Angehörigen zweier verschiedener Kulturen die Kontakt- bzw. Interaktionssituation, in die sie einbezogen sind, unterschiedlich, ja sogar widersprüchlich oder gegensätzlich interpretieren und dementsprechend handeln. Die Akteure stammen aus zwei einander fremden, historisch geprägten Erfahrungsräumen und besitzen während des gesamten Handlungsablaufs demzufolge, um die Terminologie Max Webers ( ... ) zu benutzen, keinen gemeinsamen 'subjektiv gemeinten Sinn . ......

interkulturelle Sensibilität: ist die Fähigkeit, kulturelle Differenzen genau, hinreichend komplex und nicht-wertend wahrzunehmen.

interkulturelle Überschneidungssituation: In einer interkulturellen Überschneidungssituation treffen unterschiedliche "Horizonte des Vertrauten", also verschiedene Entwürfe der Wirklichkeit und unterschiedliche Normen bzw. Wert- und Deutungssysteme, manchmal auch einfach nur miteinander nicht kompatible kulturelle Regeln aufeinander.

interkulturelles Lernen: "Interkulturelles Lernen ist eine Form des sozialen Lernens, das durch die Erfahrung kultureller Unterschiede und in der Form kultureller Vergleiche sowohl zu einer genaueren Analyse und Relativierung der eigenen Normen und Sozialsysteme, als auch zum Abbau kultureller (nationaler) Vorurteile führt

Kernfamilie: Eine Gruppe von Familienangehörigen, die ausschließlich Verwandte 1. Grades umfasst (Eltern und Kinder).

Kognition, kognitiv: in der pädagogischen Psychologie: die Wahrnehmung und Erkenntnis betreffend. Im weitesten Sinne die menschliche Fähigkeit, Zustände, Ereignisse und Prozesse mittels abstrakter Begriffe und Konzepte zu deuten und zu verarbeiten. Das Eigenschaftswort kognitiv bezieht sich (in Abgrenzung zu affektiv und psychomotorisch) auf Prozesse des Wahrnehmens, Denkens und intellektuellen Problemlösens.

Kollektivismus: Das Gegenteil von Individualismus: zusammen bilden sie eine Dimension nationaler Kulturen. Kollektivismus repräsentiert eine Gesellschaft, in der die Menschen von Geburt an in Wir-Gruppen leben, d. h. in Gruppen mit einem starken Zusammenhörigkeitsgefühl, die ihnen das ganze Leben lang Schutz für ihre außer Frage stehende Loyalität gewähren.

Kommunikation, nonverbale: Nonverbale Kommunikation meint alle nichtsprachlichen Formen des zwischenmenschlichen Austausches. So werden etwa über die Gestik, Mimik oder Körperhaltung laufend Botschaften übermittelt, die die Sprache in je kulturspezifischer Eigenheit ersetzen, ergänzen, modulieren und regulieren können.

Kommunikation: "Austausch von Mitteilungen zwischen zwei oder mehr Interaktionspartnern, der durch intentionale und bewusste Verwendung eines gegenseitig verständlichen Symbolsystems gekennzeichnet ist."

Konflikt, interkultureller: beinhaltet (im Gegensatz etwa zum interpersonalen Konflikt) eine Unverträglichkeit von kulturellen Normen oder Deutungsmustern bzw. ganzen Wirklichkeitsentwürfen, die sich in inkompatiblen Erwartungen niederschlagen.

Konfuzianische Dynamik: Eine Dimension nationaler Kultur, auf die man im Zusammenhang mit einer Untersuchung gestoßen ist, die man bei Studenten unter Verwendung der Chinese Value Study (Chinesische Wertestudie) durchgeführt hat. In diesem Buch wurde sie umbenannt in Langfristige gegenüber Kurzfristiger Orientierung. (bei Hofstede)

Kontakthypothese: die Vorstellung, dass sich allein schon durch vermehrte Interaktion zwischen Mitgliedern verschiedener kultureller Gruppen die Intergruppenbeziehung verbessern könnte, mehr wechselseitiges Verständnis entsteht und Stereotype abgebaut werden.

kritisches Ereignis: ist eine Beschreibung einer interkulturellen Begegnungssituation, in der kulturell unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und die daher für Mitglieder der beteiligten Kulturen merkwürdig, irritierend, je nachdem sogar empörend wirkt. Die Methode, mit solchen "kritischen Ereignissen" zu arbeiten, stammt ursprünglich aus der Arbeits- und Organisationssoziologie.

Kultur, innere und äußere, offene und verdeckte Für interkulturelle Lernprozesse ist es von besonderer Bedeutung, dass Kultur als Gesamtheit der Lebensäußerungen einer Gruppe nicht nur unmittelbar beobachtbare Dinge und Verhaltensweisen umfasst, sondern auch dieser Gruppe gemeinsame Konzepte, Einstellungen, Werthaltungen oder Weltbilder, die sich häufig gar nicht oder nur sehr indirekt äußern. Zum Arrangement interkultureller Lernprozesse gehören daher Methoden, die solche nicht offen zutage liegenden 'Landkarten der Bedeutung' kommunizierbar machen.

Kultur: 1. Mentales Training bzw. mentale Verfeinerung. Zivilisation. Diese Bedeutung wird in diesem Buch als "Kultur Eins" bezeichnet. 2. Die kollektive mentale Programmierung, die die Mitglieder der einen Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. Diese Bedeutung entspricht dem in der Anthropologie verwendeten Begriff von "Kultur" und findet u.a. bei Hofstede durchgehend Anwendung.

Kultur: Im Kontext interkulturellen Lernens hat sich ein weites Verständnis von "Kultur" durchgesetzt. Danach ist Kultur ein für eine größere Gruppe von Menschen gültiges Sinnsystem oder - aus anderer Perspektive betrachtet - die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame 'Wissen' kennzeichnen, d. h. als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder. Solche Erwartungen werden im Verkehr der Gesellschaftsmitglieder untereinander als selbstverständlich vorausgesetzt. Abgegrenzt werden Kulturen häufig nach der Idee von "Nationalkulturen" und durch bestimmte Merkmale wie Sprache, Religion, Volkszugehörigkeit etc. Solche Abgrenzungen werden der Inhomogenität und der Wandelbarkeit realer Kulturen allerdings nur bedingt gerecht. Der Kulturbegriff bezieht sich nicht nur auf Gesamtgesellschaften, sondern auch auf deren Teil-, Sub- und Gegenkulturen.

Kulturbewußtheit: beinhaltet, sich der kulturellen Dimension des eigenen Verhaltens und des Verhaltens anderer in einer Situation gewahr zu sein. Man unterscheidet (a) Bewußtheit der eigenen kulturellen Prägungen (own-culture-awareness), (b) Bewußtheit fremdkultureller Prägungen (other-culture-awareness) und (c) Bewußtheit der interkulturellen Effekte (cross-cultural awareness).

Kulturdimensionen: Hofstedes Konzept der K. ist das Ergebnis seiner in 50 Ländern durchgeführten Untersuchung zu kulturspezifischen Unterschieden in den Arbeitseinstellungen. Identifiziert wurden zunächst vier Dimensionen, in denen sich die wichtigsten Unterschiede verorten lassen: Machtdistanz, Unsicherheitstoleranz, Maskulinität/Feminität und Individualismus/Kollektivismus. In einer späteren Untersuchung wurde eine fünfte Dimension benannt, die die Weite des Planungshorizontes in einer Kultur zu erfassen sucht.

kulturelle Persistenz: die Nachhaltigkeit und Stabilität einer einmal angenommenen kulturellen 'Prägung.

Kulturschock: Ein Zustand von Unbehagen, der auftritt, wenn sich ein Individuum in einer unbekannten kulturellen Umgebung zurechtfinden muß. Dieser Zustand kann mit physischen Krankheitssymptomen einhergehen.

Kulturschock: völlige Überforderungsreaktion in einer fremdkulturellen Umgebung, die durch zu schnelles "Eintauchen" in eine fremde Kultur und die daraus resultierende Überflutung mit unbekannten Reizen und Anforderungen entsteht und sich durch Gefühle der Isolation, der Handlungsunfähigkeit und zuweilen auch durch eine intensive Ablehnung fremder Kulturmuster ankündigt. Symptome können auch psycho-somatischer Art sein: Kopf- und Magenschmerzen, Schlaflosigkeit, Kreislaufbeschwerden.

Kulturstandards: Kulturstandards sind "kulturspezifisch beschreibbare rollen- und situationsspezifische Verhaltenserwartungen, welchen (kulturspezifische) Normen zugrunde liegen, deren Nichterfüllung zur Störung der Interaktion und ggf. Sanktion des Interaktionspartners führen".

Kurzfristige Orientierung: Das Gegenteil von Langfristiger Orientierung; zusammen bilden die beiden Begriffe eine Dimension nationaler Kulturen, die ursprünglich als "Konfuzianische Dynamik" bezeichnet wurde. Kurzfristige Orientierung steht für das Hegen von Werten, die auf die Vergangenheit und Gegenwart bezogen sind, insbesondere Respekt für Traditionen, Wahrung des "Gesichts" und Erfüllung sozialer Pflichten.

Langfristige Orientierung: Das Gegenteil der Kurzfristigen Orientierung; zusammen bilden die beiden Begriffe eine Dimension nationaler Kulturen, die ursprünglich als "Konfuzianische Dynamik" bezeichnet wurde. Langfristige Orientierung steht für das Hegen von Tugenden, die auf künftigen Erfolg hin ausgerichtet sind, insbesondere Sparsamkeit und Beharrlichkeit.

Machtdistanz: Der Grad, bis zu dem die weniger mächtigen Mitglieder von Institutionen und Organisationen in einem Land die ungleiche Verteilung der Macht erwarten und akzeptieren. Eine der Dimensionen nationaler Kultur (gering bis groß).

Machtdistanzindex (MDI): Ein Maß für den Grad der Machtdistanz in der Kultur eines Landes; basiert auf dem IBM-Forschungsprojekt. (bei Hofstede)

Maskulinität: Das Gegenteil von Femininität; zusammen bilden die beiden Begriffe eine der Dimensionen nationaler Kulturen. Maskulinität steht für eine Gesellschaft, in der die sozialen Geschlechterrollen klar festgelegt sind: Männer sollen durchsetzungsfähig und hart sein und sich auf materiellen Erfolg konzentrieren; Frauen sollen bescheiden und zärtlich sein und sich mit der Lebensqualität beschäftigen.

Maskulinitätsindex (MAS): Ein Maß für den Grad an Maskulinität in der Kultur eines Landes; geht auf das IBM-Forschungsprojekt zurück. (bei Hofstede)

Matrixorganisation: Eine Organisationsstruktur, in der eine Person unter verschiedenen Gesichtspunkten seiner oder ihrer Arbeit zwei oder mehreren Vorgesetzten unterstehen kann: z. B. einem hinsichtlich der Aufgabe und einem anderen hinsichtlich der fachlichen Aspekte, oder einem bezüglich der Branche und einem anderen bezüglich des Landes.

Metakommunikation Der Begriff bezieht sich darauf, dass Kommunikation sich auf verschiedenen Reflektionsebenen vollziehen kann. Bei M. geht es nicht um den unmittelbaren Vollzug von Kommunikation, sondern um eine Kommunikation über (z.B. kulturspezifische Formen von) Kommunikation. M. gilt als eine Möglichkeit der Förderung interkulturellen Lernens. Kommunikation

Migration ("Wanderung"): ist der in der Soziologie übliche Begriff für die räumliche Bewegung (Mobilität) von Individuen oder Gruppen. Es geht im engeren Sinn um den relativ dauerhaften Wechsel des Wohn- bzw. Lebensortes.

Modell-Lernen: "Neue (und komplexere) Verhaltensformen werden durch Beobachtung dieses Verhaltens und seiner Konsequenzen bei symbolischen oder tatsächlichen Modellen erworben."

Motivation: Eine angenommene Kraft, die innerhalb eines Individuums wirkt und ihn oder sie dazu bewegt, eine Handlungsweise einer anderen vorzuziehen.

multikulturell: sind Situationen, an denen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft beteiligt sind.

Nationale Kultur: Die kollektive Programmierung des Geistes, die durch das Aufwachsen in einem bestimmten Land erworben wird.

Nationaler Charakter: Ein früher verwendeter Begriff. der das bezeichnet, was in diesem Buch "nationale Kultur" genannt wird. Ein Nachteil des Begriffs "Charakter" besteht darin, dass er die individuellen Aspekte auf Kosten des sozialen Systems hervorhebt.

Normen : die Erwartbarkeit bestimmter Verhaltensweisen im alltäglichen Umgang unter den Angehörigen einer Kultur.

Organisationskultur: Die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Organisation von einer anderen unterscheidet.

Partikularismus: Eine Denkweise, die in kollektivistischen Gesellschaften vorherrscht, in denen die Normen für das Verhalten gegenüber einem Menschen davon abhängen, zu welcher Gruppe dieser Mensch gehört.

Primärsozialisation: bezeichnet die erste Phase der Sozialisation, in der der ursprünglich-lernende Erwerb von sozialen und kulturellen Standards stattfindet. "Lernen" beschränkt sich dabei nicht nur auf die ausdrücklich intendierten, sondern immer auch und gerade auf die nicht unmittelbar intendierten, impliziten Lernerfahrungen.

Rassismus: "die Unterscheidung von Menschen und Menschengruppen ( ... ) entlang tatsächlich oder vermeintlich abstammungsbedingter, biologischer Eigenschaften; wobei dies immer verbunden wird mit einer Hierarchisierung zwischen höherwertigen und eher niederwertigen, quasi-natürlichen Eigenschaften."

Relativismus: Eine Bereitschaft, die Theorien und Werte anderer Personen oder Gruppen als genauso vernünftig anzusehen wie die eigenen.

Rituale: Kollektive Tätigkeiten, die für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses praktisch überflüssig sind, in einer Kultur aber als gesellschaftlich wesentlich angesehen werden: sie werden daher um ihrer selbst willen ausgeübt.

Rolle: Eine Menge von Verhaltenserwartungen, die an den Inhaber einer bestimmten Position in der Gesellschaft gerichtet werden.

Rollenflexibilität: produktive Grundhaltung in der interkulturellen Kommunikation: die Fähigkeit und die Bereitschaft in einem Interaktions- und Kommunikationszusammenhang verschiedene Rollen (z. B. aktiver Teilnehmer oder Zuschauer) einzunehmen. Ambiguitätstoleranz, Empathie

Schema: "Kognitive Struktur, die organisiertes Wissen über einen gegebenen Begriff oder einen Reiz darstellt und die Wahrnehmung, Gedächtnis und Schlussfolgerung beeinflusst."

Simulationen: sind allgemein Modelle komplexer Systeme oder Prozesse, die für Forschungs- oder Lernerfahrungen genutzt werden können. Im Gegensatz zu statischen Modellen sind Simulationen Ablauf- oder Funktionsmodelle, die einen bestimmten Aspekt der Realität in der Veränderung abbilden sollen. In S. zum interkulturellen Lernen übernehmen die Teilnehmenden bestimmte Aufgaben oder funktionale Rollen, um bestimmte Abläufe oder Reaktionsmuster (z.B. durch Akkulturationsanforderungen ausgelöste Effekte) aus einem ungewohnten Blickwinkel beobachten und an sich selbst erfahren zu können.

Skript: Ursprünglich: Habitualisiertes Muster der Kommunikation. Im weiteren Sinne auch: Muster von Handlungsabläufen und Interak tionsequenzen.

Sozialer Konstruktivismus "Die Auffassung, dass soziale und kulturelle Faktoren die Wirklichkeit für das Individuum darstellen, unabhängig von biologischen Vorgängen, indem sie ein Interpretationssystem für die äußere Welt zur Verfügung stellen."

Sozialisation "Der Vorgang, in dem ein Mensch lernt, dass und wie er zur Gesellschaft gehört." Das Erwerben der zu einer Kultur gehörenden Werte und Praktiken durch Teilnahme an dieser Kultur.

Soziotyp: grund ihrer Zuordnung zu bestimmten Gruppen zugeschrieben werden. Stereotype sind (im Gegensatz zu Soziotypen) vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie bestimmte Eigenschaften karikierend hervorheben und falsch verallgemeinern.

Stereotyp: sind allgemein Komplexe von Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die Personen auf "Vorurteile sind negative oder ablehnende Einstellungen einem Menschen oder einer Menschengruppe gegenüber, wobei dieser Gruppe infolge stereotyper Vorstellungen bestimmte Eigenschaften von vornherein zugeschrieben werden, die sich aufgrund von Starrheit und gefühlsmäßiger Ladung selbst bei widersprechender Erfahrung schwer korrigieren lassen."

Symbole: Worte, Bilder, Gesten oder Objekte, die eine bestimmte Bedeutung haben, die nur von denjenigen erkannt wird, die der gleichen Kultur angehören. Symbole oder Zeichen dienen der Verständigung. Ein Zeichen konstituiert sich dadurch, dass innerhalb einer Benutzergemeinschaft willkürlich einem Bedeutungsträger eine Bedeutung zugeordnet wird (K. Hansen).

Training, interkulturelles: Ein erfahrungs- und handlungsorientiertes, methodisch abwechslungsreiches Lernarrangement, das über eine Integration verschiedener Lernebenen intensive Lernprozesse auslösen kann und dabei insbesondere kulturellen Perspektivwechsel fördert.

Typologie: Eine Reihe von Idealtypen, die zur Beschreibung eines Phänomens herangezogen werden.

Universalismus: Eine Denkweise, die in individualistischen Gesellschaften vorherrscht, in denen die Normen für das Verhalten einem Menschen gegenüber für alle Menschen gleich sind.

Unsicherheitsvermeidung: Der Grad, bis zu dem sich die Angehörigen einer Kultur durch ungewisse oder unbekannte Situationen bedroht fühlen. Eine der Dimensionen nationaler Kulturen (schwach bis stark).

Unsicherheitsvermeidungsindex (UVI): Ein Maß für den Grad an Unsicherheitsvermeidung in der Kultur eines Landes; basiert auf dem IBM-Forschungsprojekt. (nach Hofstede)

Unternehmenskultur : Unter einer Unternehmenskultur wird dein Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen verstanden, welche die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder prägen. Die gemeinsamen Werte, Normen und Einstellungen stellen dabei die unternehmenskulturellen Basiselemente dar. Diese werden durch organisationale Handlungsweisen, Symbole und symbolische Handlungen verkörpert und konkretisiert. (Dülfer, S. 224)

Volk : Der Begriff wird in der Wissenschaftssprache zunehmend durch "Ethnie" ersetzt. F Heckmann definiert "Volk" als "das umfassendste ethnische Kollektiv, das durch den Glauben an eine gemeinsame Herkunft, Gemeinsamkeiten von Kultur und Geschichte sowie ein bestimmtes Identitäts- und Zusammengehörigkeitsbewußtsein gekennzeichnet ist. Volk steht also zum einen für Vorstellungen, zum anderen für (kooperative und konfliktäre) reale Beziehungen, des weiteren, über ethnische Mobilisierung, für Chancen von 'Gemeinschaftshandeln'."

Werte : Allgemeine Tendenzen, bestimmte Umstände anderen vorzuziehen. Gegenstände, Situationen, Verhalten werden bewertet nach gut – böse, gut – schlecht.

Wir-Gruppe (Ingroup): Eine Gruppe, in der das Zusammengehörigkeitsgefühl stark ausgeprägt ist, die den Mitgliedern Schutz für deren Loyalität gewährt und ihnen ein Identitätsgefühl vermittelt.

Xenophilie: Das Gefühl, dass Menschen und Dinge aus anderen Ländern überlegen sein müssen.

Xenophobie: Das Gefühl, dass Menschen oder Dinge aus anderen Ländern gefährlich sind.


Quellen:

Hofstede: Lokales Denken, globales Handeln

Prof. Flechsig, Fachgebiet Interkulturelle Didaktik, göttingen, www.gwdg.de/~kflechs