Interkulturelles Management

  Lern- und Lehrseiten    © zell 28.10.2009

2.1 Hofstede, Lokales Denken 2.2 Symbole, Helden .. 2.3 Dimensionen 2.4 Dimensionen 2.5 Kulturschock 2.6 Aufgaben

2.3 Dimensionen von Kulturen: Machtdistanz, Individualismus und Maskulinität

Dimensionen von Kulturen - nach Hofstede

Individualismus Kollektivismus
Hohe Machtdistanz Niedrige Machtdistanz
Maskulinität Feminität
Hohe Unsicherheitsvermeidung Niedrige Unsicherheitsvermeidung
Langfristige Orientierung Kurzfristige Orientierung

 


Hauptunterschiede zwischen Gesellschaften mit geringer und mit großer Machtdistanz
1: Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz
Geringe Machtdistanz Große Machtdistanz
Ungleichheit unter den Menschen sollte so gering wie möglich sein Ungleichheit unter den Menschen wird erwartet und ist erwünscht
Zwischen den weniger mächtigen und den mächtigen Menschen besteht eine Interdependenz bis zu einem gewissen Grad, und die sollte es auch geben Weniger mächtige Menschen sollten von den mächtigen abhängig sein. Das sieht dann so aus, daß sich die weniger Mächtigen zwischen den beiden Extremen Abhängigkeit und Kontradependenz befinden.
Eltern behandeln ihre Kinder wie ihresgleichen Eltern erziehen ihre Kinder zu Gehorsam
Kinder behandeln ihre Eltern wie ihresgleichen Kinder behandeln ihre Eltern mit Respekt
Lehrer erwarten von ihren Schülern Eigeninitiative Jede initiative geht vom Lehrer aus.
Lehrer sind Experten, die losgelöstes Wissen vermitteln Lehrer sind Gurus, die ihr eigenes Wissen vermitteln
Schüler behandeln ihre Lehrer wie ihresgleichen Schüler behandeln ihre Lehrer mit Respekt
Menschen mit höherer Bildung neigen zu weniger Autorität als Menschen mit weniger Bildung Sowohl jene mit mehr als auch jene mit weniger Bildung haben die gleiche Einstellung zur Autorität
Hierarchische Struktur in einer Organisation bedeutet eine ungleiche Rollenverteilung aus praktischen Ungleichheit Hierarchische Strukturen in Organisationen sind ein Spiegelbild einer Ungleichheit von Natur aus zwischen oberer und unterer Schicht
Tendenz zu Dezentralisation Tendenz zu Zentralisation
Geringe Gehaltsunterschiede zwischen oberen und unteren Hierarchiestufen Große Unterschiede im Gehalt innerhalb der Hierarchie
Mitarbeiter erwarten, in Entscheidungen miteinbezogen zu werden Mitarbeiter erwarten, Anweisungen zu erhalten
Der ideale Vorgesetzte ist der einfallsreiche Demokrat Die ideal Vorgesetzte ist der wohlwollende Autokrat oder gütige Vater
Privilegien und Statussymbole stoßen auf Mißbilligung Privilegien und Statussymbole für Manager werden erwartet und sind populär
Quelle: Hofstede, S. 46

 

Machtdistanzindexwert
Position Land oder Region Punkte
1 Malaysia 104
2/3 Guatemala 95
2/3 Panama 95
     
42/44 Bundesrepublik Deutschland 35
     
50 Neuseeland 22
51 Dänemark 18
52 Israel 13
53 Österreich 11
Hofstede, Lokales Handeln, globales Denken, 1997, S. 30f.

Machtdistanz ist das Ausmaß, bis zu welchem die weniger mächtigen Mitglieder von Organisationen etc. erwarten und akzeptieren, daß Macht ungleich verteilt ist. Ein hoher MDI bedeutet eine hohe Machtdistanz.


Hauptunterschiede zwischen kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften
1: Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz
Kollektivistisch Individualistisch
Die Menschen werden in Großfamilien oder andere Wir-Gruppen hineingeboren, die sie weiterhin schützen und im Gegenzug Loyalität erhalten jeder Mensch wächst heran, um ausschließlich für sich selbst und seine direkte (Kem-)Familie zu sorgen
Die Identität ist im sozialen Netzwerk begründet, dem man angehört Die Identität ist im Individuum begründet
Kinder lernen in "Wir"-Begriffen zu denken Kinder lernen in "Ich"-Begriffen zu denken
Man sollte immer Harmonie bewahren und direkte Auseinandersetzungen vermeiden Seine Meinung zu äußern ist Kennzeichen eines aufrichtigen Menschen
High-context-Kommunikation Low-context-Kommunikation
Übertretungen führen zu Beschämung und Gesichtsverlust für einen selbst und die Gruppe Übertretungen führen zu Schuldgefühl und Verlust an Selbstachtung
Ziel der Erziehung: Wie macht man etwas? Ziel der Erziehung: Wie lernt man etwas?
Diplome schaffen Zugang zu Gruppen mit höherem Status Diplome steigern den wirtschaftlichen Wert und/oder die Selbstachtung
Beziehung Arbeitgeber-Arbeitnehmer wird an moralischen Maßstäben gemessen, ähnlich einer familiären Bindung Beziehung Arbeitgeber-Arbeitnehmer ist ein Vertrag, der sich auf gegenseitigen Nutzen gründen soll
Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen berücksichtigen die Wir-Gruppe des Mitarbeiters Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen sollen ausschließlich auf Fertigkeiten und Regelungen beruhen
Management bedeutet Management von Gruppen Management bedeutet Management von Individuen
Beziehung hat Vorrang vor Aufgabe Aufgabe hat Vorrang vor Beziehung
Quelle: Hofstede, S. 90

 

Individualismusindex-Werte (IDV) 
Position Land oder Region Punkte
1 USA 91
2 Australien 90
3 Großbritannien 89
     
15 Bundesrepublik Deutschland 67
     
50 Venezuela 12
51 Panama 11
52 Equador 8
53 Guatemala 6
Hofstede, Lokales Handeln, globales Denken, 1997, S. 69f.

Individualismus beschreibt Gesellschaften, in denen die Bindungen zwischen den Individuen locker sind. Kollektivismus beschreibt Gesellschaften, in denen der Mensch von Geburt an in starke geschlossene Wir-Gruppen integriert ist, die ihn ein Leben lang schützen, dafür aber bedingungslos Loyalität verlangen. Ein hoher IDV steht für einen starken Individualismus.


Hauptunterschiede zwischen femininen und maskulinen Gesellschaften

1: Allgemeine Norm, Familie, Schule und Arbeitsplatz

Feminin Maskulin
Vorherrschende Werte in einer Gesellschaft sind das Kümmern um Mitmenschen und Bewahren der Werte Vorherrschende Werte sind materieller Erfolg und Fortkommen
Menschen und intakte zwischenmenschliche Beziehungen sind wichtig Geld und Dinge sind wichtig
Von jedem wird erwartet, bescheiden zu sein Von Männern wird erwartet, daß sie bestimmt, ergeizig und hart sind
Sowohl Männern wie Frauen wird zugestanden, sensibel und um zwischenmenschliche Beziehungen bemüht zu sein Von Frauen erwartet man, sensibel zu sein und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen
In der Familie sind sowohl der Vater wie die Mutter für Fakten und Gefühle zuständig In der Familie ist der Vater für die Fakten, die Mutter für Gefühle zuständig
Jungen und Mädchen dürfen weinen, sollen aber nicht kämpfen Mädchen weinen, jungen nicht; Jungen sollten zurückschlagen, wenn sie angegriffen werden, Mädchen nicht
Sympathie mit den Schwachen Sympathie mit den Starken
Durchschnittlich guter Schüler ist die Norm Bester Schüler ist die Norm
Versagen in der Schule ist nicht so schlimm Versagen in der Schule ist eine Katastrophe
Freundlicher Lehrer wird geschätzt Der Lehrer wird für hervorragendes Fachwissen geschätzt
Jungen und Mädchen wählen die gleichen Fächer Jungen und Mädchen wählen verschiedene Fächer
Arbeiten, um zu leben Leben, um zu arbeiten
Vorgesetzte verlassen sich auf ihre Intuition und streben Konsens an Von Vorgesetzten erwartet man, daß sie entschlußfreudig und bestimmt sind
Betonung liegt auf Gleichheit, Solidarität und Qualität des Arbeitslebens Betonung liegt auf Fairneß, Wettbewerb unter Kollegen und Leistung
Konflikte werden beigelegt, indem man miteinander verhandelt und nach einem Kompromiß sucht Konflikte werden beigelegt, indem man sie austrägt
Quelle: Hofstede, S. 133

 

Maskulinitätsindex-(MAS)
Position Land oder Region Punkte
1 Japan 95
2 Österreich 79
3 Venezuela 73
     
9/10 Bundesrepublik Deutschland 66
     
50 Dänemark 16
51 Niederlande 14
52 Norwegen 8
53 Schweden 5
Hofstede, Lokales Handeln, globales Denken, 1997, S. 115f.

Maskulinität kennzeichnet eine Gesellschaft, in der die Rolle der Geschlechter klar gegeneinander abgegrenzt sind. Feminität kennzeichnet eine Gesellschaft, in der sich die Rollen der Geschlechter überschneiden. Ein hoher MAS steht für eine hohe Maskulinität.